Russland: Arbeitsmarkt, Personal und Bildung
Wie in den letzten Jahren, ist auch 2007 das Inflationsziel der Regierung, das mit 8% ambitioniert gesetzt war, verfehlt worden. Es gab eine Beschleunigung der Inflation gegen Jahresende auf etwa 12% und auch 2008 setzt sich diese hohe Inflation fort.
Die massive Erhöhung der Nominal- und Reallöhne setzte sich 2007 fort, und es gab bis Ende November real um 15%, nominell um etwa 25% höhere Löhne als im Vergleichszeitraum 2006. Nachdem bereits 2006 die Reallöhne um 13,4% gestiegen waren, spüren die russischen Unternehmen verstärkt die massive Steigerung der Kosten für Personal, was vor allem in den Großstädten wie Moskau und St. Petersburg sichtbar wird.
Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 6,1% nach ILO-Standard für ganz Russland. Sie ist jedoch regional sehr unterschiedlich verteilt. Während es in den Großstädten derzeit bereits ein massives Arbeitskräftedefizit gibt, ist in manchen ländlichen Gebieten die Arbeitslosenrate weiterhin relativ hoch. Von den 142 Mio. Einwohnern sind 74 Mio. im erwerbsfähigen Alter. 67,2 Mio. sind davon unselbständig Erwerbstätige. Davon sind 48,2% im Industrie- und 51,8% im Dienstleistungssektor beschäftigt.
Das durchschnittliche Gehaltsniveau liegt bei 330 EUR bei einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr in der Höhe von ca. 25%. Dennoch leben ca. 22 Mio. Menschen unter dem Mindesteinkommen. Die Gehälter haben sich branchenspezifisch und regional sehr unterschiedlich entwickelt. Die höchsten Gehälter werden in exportorientierten Rohstoffunternehmen, in »oligarchischen« Holdings, in Produktions-unternehmen für Massenwaren und in Telekommunikationsunternehmen bezahlt. Die niedrigsten in der Landwirtschaft, Bildung und im Gesundheitswesen. Die Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Firmen verschwinden zusehends. Moskau und St. Petersburg liegen 100 bis 150% über allen anderen Regionen.
53% der Bevölkerung sind Frauen mit höherem Ausbildungsstand; sie besitzen 40% der Kleinunternehmen. Nur 10% der Top-Managerposten sind von Frauen besetzt, die bis zu 37% weniger verdienen als Männer.
Der Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Sozialversicherung, die so genannte »Sozialsteuer«, beträgt 26% des jährlichen einkommenssteuerpflichtigen Einkommens des Arbeitnehmers mit regressivem Steuersatz (fallend auf 2% für Jahreseinkommen über RUR 600.000). Das bedeutet, dass Einkommensteile über derzeit jährlich ca. € 16.600 nur mehr mit Lohnebenkosten von 2% belastet sind. Die Einkommenssteuer der Arbeitnehmer (Einbehalt durch Arbeitgeber oder Selbsterklärung) beträgt 13% Flat-Tax auf das gesamte Einkommen (= »Welteinkommen«), aber 30% für in Russland nur »beschränkt« steuerpflichtige Ausländer/innen (hier gilt die sog. 183 Tageregelung zu beachten). Vorschriften für »generelle« und »individuelle« fristgerechte (d.h. vor Beschäftigungsbeginn) Beschaffung von Beschäftigungsgenehmigungen für Ausländer/innen sind streng zu beachten, ebenso die Regelungen für beschränkte Steuerpflicht, für fristgerechte Steuererklärungen und Steuerabfuhr. Es wird empfohlen, hier unbedingt professionelle Hilfe bereits vorab in Anspruch zu nehmen.
Der Arbeitsmarkt in Moskau ist eine besondere Welt. Von den 10,4 Mio. Einwohnern sind 6,3 Mio. erwerbstätig, 38% haben Hochschulbildung bei einer Arbeitslosigkeit von nur 0,5%(!) 2.500 Vertretungen von ausländischen Firmen und mehr als 7.500 Unternehmen mit ausländischem Kapital bereichern das Geschäftsleben dieser Stadt, in der jede Woche ca. 215.000 Stellenanzeigen geschaltet werden.
Das derzeitige Ausbildungssystem beruht auf einem 11-jährigen Schulsystem und aus einer 5-6 jährigen Laufbahn zur Erlangung eines Universitäts-Diploms. Die Tendenz zu einer Harmonisierung zwischen dem russischen und dem europäischen Ausbildungssystem ist deutlich erkennbar: ca. 4.000 Studenten pro Jahr absolvieren MBA-Programme.
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